Auf einen Blick
| Erfunden | 1851, Frederick Scott Archer |
| Bildträger | Aluminium (Tintype), Glas (Ambrotypie, Negativ) |
| Silberbad | Silbernitrat, ca. 9 % |
| Sensibilisieren | ca. 2–3 Minuten |
| Belichtung | Sekunden bis Minuten, je nach Licht |
| Besonderheit | Platte muss nass belichtet und entwickelt werden |
| Ergebnis | Unikat, keine Kopie möglich (außer Negativ) |
Was ist das nasse Kollodiumverfahren?
Beim nassen Kollodiumverfahren entsteht das Bild direkt auf einer Platte aus Glas oder Metall. Die Platte wird mit Kollodium begossen, in einem Bad aus einer Silbernitratlösung lichtempfindlich gemacht und belichtet, solange sie noch nass ist. Danach wird sie sofort entwickelt.
Der Name kommt von genau dieser Eile: Trocknet die Schicht, verliert sie ihre Empfindlichkeit. Deshalb braucht es eine Dunkelkammer in unmittelbarer Nähe der Kamera, im Atelier oder als mobiles Zelt.
Geschichte
Frederick Scott Archer stellte das Verfahren 1851 vor. Gegenüber der Daguerreotypie verkürzte es die Belichtungszeiten deutlich und war günstiger. Damit wurde es zum wichtigsten Verfahren der Portraitfotografie und prägte die Fotografie bis in die 1880er Jahre.
Die Chemie
Vier Lösungen bestimmen das Bild. Ihre Rezepturen unterscheiden sich von Fotograf zu Fotograf und sind ein Teil der Handschrift. Leider sind kaum Aufzeichnungen darüber vorhanden, welche Rezepturen einzelne Fotografen verwendet haben, allerdings verwende ich immer noch Rezepturen, die damals verwendet wurden und öffentlich zugänglich waren.
Kollodium
Nitrocellulose, gelöst in Alkohol und Ether, mit Iodid- und Bromidsalzen. Die sirupartige Schicht enthält das Bild.
Silberbad
Silbernitrat in destilliertem Wasser, etwa 9 %. Im Bad bilden sich lichtempfindliche Silberhalogenide.
Entwickler
Ein Entwickler auf Eisenbasis macht das latente Bild sichtbar.
Fixierer
Löst das unbelichtete Silberhalogenid heraus. Erst jetzt wird das Bild hell und dauerhaft.
Silbernitrat ist stark oxidierend, Ether leicht entzündlich. Wer selbst arbeitet, trägt Handschuhe und Schutzbrille und sorgt für Belüftung. Mehr dazu im Artikel Silberbad-Pflege, Teil 1.
Schritt für Schritt
- Platte vorbereiten – Glas wird gründlich gereinigt, Aluminium ist meist schon lackiert.
- Kollodium gießen – Die Lösung wird aufgegossen und durch Kippen gleichmäßig verteilt.
- Sensibilisieren – Im Silberbad wird die Platte in etwa 2 bis 3 Minuten lichtempfindlich und sieht danach milchig aus.
- Nass belichten – Im Kassettenhalter in die Großformatkamera. Je nach Licht wenige Sekunden bis Minuten.
- Entwickeln und fixieren – In der Dunkelkammer erscheint das Bild, im Fixierer wird es hell: der magische Moment.
- Wässern, trocknen, firnissen – Ein Schutzlack versiegelt die Platte und macht sie haltbar und archivfest.
Tintype, Ambrotypie, Glasnegativ
Alle drei entstehen im selben Verfahren. Der Unterschied liegt im Bildträger und darin, ob das Bild ein Positiv oder ein Negativ ist.
| Tintype | Ambrotypie | Glasnegativ | |
|---|---|---|---|
| Bildträger | Aluminium | Glas | Glas |
| Ergebnis | Positiv, Unikat | Positiv, Unikat | Negativ für Abzüge |
| Wirkung | warmer, metallischer Glanz | Zartheit und Tiefe | Vorlage für Salz-, Albumin-, Kollodiumchloridpapier |
| Auch genannt | Ferrotypie | Glasbild | Kollodium-Negativ |
Häufige Fragen
Ist jedes Bild ein Unikat?
Ja. Tintype und Ambrotypie sind direkte Positive. Es gibt kein Negativ und damit keine zweite Kopie.
Warum sieht Blau hell und Rot dunkel aus?
Kollodium ist vor allem für blaues und ultraviolettes Licht empfindlich. Rot wird kaum aufgezeichnet und erscheint dunkel.
Wie lange hält ein Kollodiumbild?
Hunderte Jahre, wenn die Platte nach dem Fixieren gründlich gewässert wurde. Dann ist ein Kollodiumbild sehr archivfest.
Selbst erleben
Portrait: Lass dein eigenes Tintype machen
Workshop: Lerne das Verfahren an einem Tag
