Ende Oktober hatte ich die Gelegenheit, im Marubi-Nationalmuseum für Fotografie in Shkodër im Norden Albaniens einen zweitägigen Workshop zum nassen Kollodiumverfahren zu geben. Die Stadt blickt auf 2400 Jahre Geschichte zurück. Sie liegt an drei Flüssen, was sie früh zu einem wichtigen Handelsort machte.

In ihrem Zentrum wurde 2016 das Marubi-Nationalmuseum gegründet, nachdem die Sammlung lange ein städtisches Archiv gewesen war.

Das Marubi-Nationalmuseum für Fotografie
Die Geschichte der Fotografie in Albanien reicht bis in die 1860er-Jahre zurück, als der Italiener Pietro Marubi sein erstes Atelier mit dem Namen „Dritëshkroja“ (Mit Licht geschrieben) gründete. Zur Zeit der osmanischen Herrschaft stellte er im nassen Kollodiumverfahren Glasnegative her. Von diesen Negativen verkaufte er Kontaktabzüge an seine Kundschaft, und das Atelier wurde ein großer geschäftlicher Erfolg.
Da er keine Kinder hatte, ging das Atelier nach seinem Tod an die Söhne seines Gärtners Rrok Kodheli über: Mati und Kel Kodheli. Mati starb sehr jung, und Kel lernte die Fotografie in Triest im Atelier „Sebastianutti & Benque“. Später nannte er sich Kel Marubi, um Pietro zu ehren.
Nachdem der letzte Vertreter der Marubi-Dynastie alle Negative dem Staat geschenkt hatte, umfasst das Archiv heute über 500.000 Negative und ist damit eine der reichsten Sammlungen Europas. Unter seinem Direktor Luçjan Bedeni bewahrt das Museum das Erbe der albanischen und europäischen Fotografie.
Das Marubi-Archiv
Mich interessierten bei meinem Besuch vor allem die frühesten Glasnegative, über 80.000 Stück. Mit meiner Erfahrung, wie Kollodiumnegative aussehen, konnte ich erkennen, welche Techniken Pietro Marubi verwendet hat. Viele Negative haben das Format 13x18cm, einige sind Stereoaufnahmen, die größten messen 30x40cm.


Am spannendsten war für mich ein neunteiliges Panorama der Stadt Shkodër, jedes Negativ 21x27cm groß.

Wie man sieht, ist der Himmel mit Papier abgedeckt, damals ein übliches Vorgehen. Da Kollodium vor allem für blaues Licht empfindlich ist (mehr zur Empfindlichkeit von Kollodium-Nassplatten liest du hier), würde der Himmel im Abzug sehr hell. Manche Fotografen deckten ihn deshalb ab und malten anschließend Wolken hinein oder machten eigene Wolkennegative, die in einem zweiten Schritt einkopiert wurden.
Kollodium-Workshop im Marubi-Museum
Nach einem langen Tag im Archiv habe ich einen Vortrag über meine Arbeit mit der Nassplatte und über frühe fotografische Verfahren gehalten. Weil die Fotografie in Albanien eine große Tradition hat, war auch die Presse da, und nach dem Vortrag gab ich mein erstes Fernsehinterview.




Die zweitägige Masterclass
Fünf Fotografinnen, Fotografen und Kunstschaffende aus Albanien und dem Kosovo waren eingeladen, die Geheimnisse des Kollodiumverfahrens kennenzulernen. Wir arbeiteten in den schönen Räumen des Art House in der Nähe des Museums.
Die Materialien stellte Camera Obscura Photography zur Verfügung, und alles hat wunderbar funktioniert.






Wie geht es weiter?
Weil die Tage für alle ein großer Erfolg waren, planen wir vielleicht im kommenden Frühjahr einen weiteren Workshop.
Wenn du selbst an einem Kollodium-Workshop teilnehmen möchtest: Die nächsten Termine in meinem Atelier in Berlin findest du auf der Workshop-Seite.
