Das Projekt holocene ist eine fotografische Annäherung an die Ursprünglichkeit von Waldlandschaften und an das Verhältnis von Mensch und Natur im Zeitalter des Anthropozäns. Im Zentrum steht dabei die Suche nach der „Natürlichkeit“ einer vom Menschen beeinflussten Umwelt. Die Serie schärft damit nicht nur das Verständnis für die Vielschichtigkeit des Naturbegriffs, sondern beleuchtet auch die anhaltende Sehnsucht des Menschen nach Ursprünglichkeit und Authentizität.
Das nasse Kollodiumverfahren interpretiert Farben derart, dass es für grüne Farben kaum fotosensibel ist. Blattwerk und Laub werden dunkel wiedergegeben; der Himmel hebt sich aufgrund der UV-Empfindlichkeit des Verfahrens hingegen in Weiß ab. Waldlandschaften, die im Rahmen der Arbeit holocene fotografiert werden, wirken damit ursprünglich gewachsen. Es entstehen Urwälder, wie sie im Erdzeitalter des Holozäns vor der Sesshaftwerdung des Menschen existiert haben könnten. Tatsächlich sind die Orte über Jahrhunderte vom Menschen kultiviert worden. Die Schönheit und die Komplexität der vom Menschen veränderten Landschaften beeinflussen und verändern damit die Bedeutung des Naturbegriffs im Zeitalter des Anthropozäns.
Die Suche nach Natürlichkeit in der Fotografie ist so alt wie das Medium selbst. Pioniere wie Gustave Le Gray haben sich ab 1849 dem Wald von Fontainebleau als Gegenstand einer romantischen Naturempfindung angenähert. Der künstlich angelegte Wald war Erholungs- und Sehnsuchtsort der Malerschule von Barbizon, so wie die Werke der Serie holocene Fragmente zwischen Ursprünglichkeit und Kulturlandschaft darstellen.
Beim Projekt holocene wird ausschließlich mit historischen Prozessen gearbeitet. Es werden Glasnegative mit einer großformatigen Plattenkamera belichtet und vor Ort in einem Dunkelkammerzelt entwickelt. Die Fotografien auf handgefertigtem Fotopapier des 19. Jahrhunderts entstehen im direkten Kontakt mit dem Negativ durch Sonneneinwirkung. Jede Aufnahme ist ein Unikat, ein physisches und nicht reproduzierbares Objekt.